Blockflötenquartett und Modernes Portativ im Ensemble

Blockflötenquartett und
Modernes Portativ im Ensemble

Musizierender Engel mit Portativ

Hans Memling, um 1485
(Königliches Museum der
schönen Künste, Antwerpen)



Der Unterricht in den Fächern Ensemblespiel / Ensembleleitung beschäftigt sich zu einem erheblichen Anteil mit der Frage nach der reinen Stimmung oder richtigen Intonation. Bei manchen Ensemblegruppierungen sind die Toleranzgrenzen ziemlich eng. Bei Flötenensembles, insbesondere Blockflötenensembles, werden kleinste Abweichungen von einer sauberen Intonation als sehr störend empfunden. Die Erfahrung lehrt, dass es für ein sauberes Intonieren von erheblichem Vorteil ist, wenn die Musikstudierenden gelernt haben, auf Kombinationstöne zu achten. Das Portativ, das äußerst geduldig Töne lange aushalten kann, hilft beim Erlernen der Wahrnehmung von Kombinationstönen.

Ensembles, die frei sind von einem Tasteninstrument und damit frei von dem Zwang zum Stimmungskompromiss (Temperierung), werden bemüht sein hauptsächlich einem von zwei Stimmungsidealen zu folgen, die je nach Epoche, Stil und Struktur des Musikstücks differieren: die obertonreine Stimmung und die quintenreine Stimmung.

Das harmonische Stimmungsideal im Ensemblespiel liegt in der obertonreinen Stimmung, vor allem bei homophoner Mehrstimmigkeit.
Das melodische Stimmungsideal liegt bei der quintenreinen Stimmung. Angewendet wird sie in mittelalterlicher Musik und früher Renaissancemusik, bei polyphoner Mehrstimmigkeit und beim Herausarbeiten leittöniger Wendungen.

Ein Ensemble ohne Tasteninstrument, das ausschließlich reine Intervalle intonieren will, läuft Gefahr, die ursprüngliche Stimmtonbasis zu verlieren. Das Ensemble schraubt sich insgesamt in die Höhe oder wird permanent tiefer. Abhilfe kann die Praxis schaffen, den Bass als Fundament des vertikalen Geschehens mitteltönig temperiert zu spielen, um eine absolute Stimmtonhöhe beizubehalten. Darauf bezogen intonieren alle höheren Instrumente rein. Entsprechend kann bei Tenorliedern die Tenorstimme auf pythagoräisch gestimmte Tonhöhen fixiert sein, allen anderen Stimmen spielen hierauf bezogen rein intoniert.

Ein interessantes Hörbeispiel, bei dem der Moll-Satz «Wer nur den lieben Gott läßt walten» in reiner Stimmung die Paralleltonart miteinbezieht, findet sich unter www.kilchb.de. Jeweils zwei Bereiche mit je zwei Quintstufen sind in sich rein gestimmt. Beide Quintengruppen sind um das syntonische Komma verschoben. Der Quintton dazwischen (c) passt sich an und ist entsprechend der Dreiklangstonart um ein syntonisches Komma höher, zur ersten Quintgruppe (es-b-f-c) gehörend oder tiefer, zur anderen Gruppe (c-g-d-a) gehörend.


Einsatz des Portativs:

Mit dem Modernen Portativ als Hilfsmittel im Ensemble können die beiden Stimmungsideale nachvollzogen werden. Blasinstrumentalisten und Sänger haben für ein quintenreines Intonieren (pythagoräische Stimmung) im Portativ zunächst Stütze und Anhaltspunkt und können bewusst den Unterschied zur gewohnten obertonreinen Intonation erfahren und erüben.

Als Übungsliteratur bieten sich an: frühe Cantus firmus-Sätze oder Tenorlieder, entsprechend instrumentiert. Das Portativ wird in der Regel einstimmig eingesetzt und übernimmt bei dieser Übung die Hauptstimme (Cantus firmus).

Bei der obertonreinen Stimmung hilft das Portativ bei der Intonation der Bassstimme, wenn es erforderlich sein sollte, dass der Bass mitteltönig gespielt wird.


Trios zu zweit

Ergänzend zum Einsatz des Portativs beim Ensemblespiel sind folgende Übungen als Hörschulung zur Verbesserung der Intonation im Ensemblespiel äußerst hilfreich: Sieben Duos für das Intonationstraining von Adrian Wehlte bei www.floetennoten.net. Diese Duos für zwei Flöten werden mit einer melodischen Bass-Stimme, die aus Kombinationstönen entsteht, zu Trios und sind damit speziell für das Üben der exakten Intonation konzipiert. Für Fortgeschrittene gibt es einen zweiten Teil des Intonationstrainings mit Liedmelodien, die sich durch die Kombinationstöne freitonaler Flötenstimmen ergeben. Eine Spiel- und Übanleitung ist im ersten Teil bei den Tanzsätzen enthalten. Diese Intonations-Etüden können auch mit zwei Geigen, zwei Klarinetten, zwei Trompeten oder beliebig anderen Melodieinstrumenten gespielt werden.